Open Banking im Casino: Wie PSD2 die Zahlungslandschaft verändert

Als ich 2018 zum ersten Mal erklären musste, was PSD2 für Casino-Zahlungen bedeutet, erntete ich meist leere Blicke. Eine EU-Richtlinie über Zahlungsdienste klang zu abstrakt, zu weit weg vom Alltag eines Spielers. Heute, acht Jahre später, nutzt praktisch jeder, der per Sofort oder Trustly einzahlt, Open Banking – ohne es zu wissen. Die Technologie hinter der Sofortüberweisung ist kein Zufall, sondern das direkte Ergebnis einer regulatorischen Revolution, die den Banken die Kontrolle über Zahlungsdaten genommen und an Drittanbieter weitergegeben hat. Und diese Revolution ist noch nicht abgeschlossen.
PSD2-Richtlinie: Was Open Banking für Casino-Zahlungen bedeutet
Ich war bei einer Fintech-Konferenz in Berlin, als ein Banker auf dem Podium sagte, PSD2 sei „der größte Eingriff in das Bankgeschäft seit der Einführung des Girokontos“. Das war nicht übertrieben. Die Payment Services Directive 2, seit Januar 2018 in der EU verbindlich, verpflichtet Banken, autorisierten Drittanbietern Zugang zu Kontodaten und Zahlungsauslösung zu gewähren. Vorher konnte nur die Bank selbst eine Überweisung ausführen. Nach PSD2 kann das auch ein lizenzierter Zahlungsauslösedienst – ein sogenannter PISP, Payment Initiation Service Provider.
Für Casino-Zahlungen bedeutet das konkret: Ein Spieler wählt im Casino-Cashier die Sofortüberweisung, wird auf die Sofort-Bezahlseite weitergeleitet und gibt dort seine Online-Banking-Daten ein. Sofort – als lizenzierter PISP – löst die Überweisung direkt bei der Bank aus, ohne dass das Casino Bankdaten sieht. Die Bank bestätigt die Transaktion, Sofort meldet dem Casino die Bestätigung, und das Guthaben wird gutgeschrieben. Dieser gesamte Ablauf basiert auf PSD2-konformen Schnittstellen.
Vor PSD2 funktionierte Sofort über Screen Scraping – eine Methode, bei der Sofort sich quasi in das Online-Banking des Spielers einloggte und die Überweisung im Namen des Nutzers ausführte. Das war technisch funktional, aber regulatorisch umstritten und von vielen Banken kritisiert. PSD2 hat dieses Problem gelöst, indem es dedizierte API-Schnittstellen vorschrieb, über die Zahlungsauslösedienste sicher und standardisiert mit den Banken kommunizieren. Heute läuft jede Sofort-Transaktion über diese regulierten Schnittstellen – sicherer, schneller und rechtlich abgesichert.
Sofort als Open-Banking-Pionier im iGaming
Was viele nicht wissen: Sofort/Klarna gehörte zu den ersten Anbietern, die Open Banking im iGaming-Bereich eingesetzt haben – bereits vor dem Inkrafttreten von PSD2. Das Unternehmen startete 2005 als Sofort GmbH mit einer Lösung für Direktüberweisungen und wurde 2014 von Klarna übernommen. Seitdem ist Klarna nicht nur ein BNPL-Anbieter, sondern über die Sofort-Marke auch einer der wichtigsten Zahlungsauslösedienste in Europa.
Der iGaming-Markt war früh ein Testfeld für Open-Banking-Zahlungen, weil die Branche zwei Dinge gleichzeitig brauchte: Geschwindigkeit und Sicherheit. Kreditkarten waren schnell, aber mit hohen Betrugsraten behaftet. Banküberweisungen waren sicher, aber langsam. Sofort kombinierte beides – Echtzeit-Bestätigung mit der Sicherheit des eigenen Bankkontos. Heute verarbeitet Klarna mehr als 3,4 Millionen Transaktionen täglich, und ein erheblicher Teil davon entfällt auf den Sofort-Kanal.
Alexandre Gonthier, CEO von Trustly, beschrieb Mitte 2025 einen grundlegenden Wandel hin zur Echtzeit-Abwicklung, der die Wettbewerbsdynamik in der Zahlungsbranche umgestalte. Diese Einschätzung teile ich: Open Banking ist nicht mehr ein Nischenprodukt für technikaffine Early Adopters, sondern die Infrastruktur, auf der die Zukunft der Casino-Zahlungen aufbaut.
Der entscheidende Unterschied zu anderen Zahlungsmethoden liegt in der Architektur. Bei einer Kreditkartenzahlung fließen die Daten über mehrere Intermediäre – Acquirer, Kartennetzwerk, Issuer Bank. Bei Open Banking gibt es nur zwei Parteien: den lizenzierten PISP und die Bank des Spielers. Weniger Intermediäre bedeuten niedrigere Gebühren, weniger Fehlerquellen und schnellere Abwicklung. Für Casinos mit GGL-Lizenz ist das besonders relevant, weil jede Einzahlung gegen das LUGAS-System abgeglichen wird – je schlanker die Zahlungskette, desto reibungsloser der Ablauf.
EU Instant Payment Regulation 2024/886: Die neue Pflicht für Banken
PSD2 war der erste Schritt. Der zweite heißt IPR – die EU Instant Payment Regulation 2024/886, die seit Oktober 2025 gilt. Was sie vorschreibt: Alle Zahlungsdienstleister in der EU müssen Echtzeit-Überweisungen in Euro anbieten können. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht – vor der IPR waren Echtzeit-Überweisungen für viele Banken optional, und nur 13% der EU-Banken hatten die entsprechende Infrastruktur implementiert. Der Rest hat sich auf klassische SEPA-Überweisungen beschränkt, die bis zu einem Werktag dauern können.
Der tägliche Umfang von Echtzeit-Zahlungen in der EU ist 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 72% gestiegen. Dieser Anstieg wird sich durch die IPR noch beschleunigen, weil Banken, die bisher keine Instant Payments unterstützt haben, nun nachrüsten müssen. Für den Casino-Markt bedeutet das: Die Infrastruktur für sofortige Gutschriften wird flächendeckend verfügbar. Was heute über Sofort oder Trustly als Zwischenschicht funktioniert, könnte langfristig direkt über SEPA Instant abgewickelt werden – ohne Drittanbieter.
Langfristig stellt die IPR die Geschäftsmodelle von Sofort und Trustly vor eine Herausforderung: Wenn jede Bank Echtzeit-Überweisungen anbieten muss, könnte der Mehrwert eines separaten Zahlungsauslösedienstes sinken. Kurzfristig profitieren diese Anbieter jedoch davon, dass sie die bessere User Experience bieten – eine dedizierte Bezahlseite, automatische Bank-Erkennung, optimiertes mobiles Design. Die reine Infrastruktur ist nur ein Teil des Puzzles; die Benutzerführung macht den Unterschied.
Auswirkungen auf Casino-Spieler: Schnellere Einzahlungen und Auszahlungen
Was bedeutet das alles für den Spieler, der heute bei einem GGL-lizenzierten Casino einzahlt? Zunächst: Die Einzahlung per Sofort funktioniert heute gut und wird durch Open Banking und IPR noch zuverlässiger. Die Gutschrift erfolgt in Echtzeit, die Transaktion ist durch PSD2-konforme Schnittstellen abgesichert, und die Bankenabdeckung in Deutschland ist hoch.
Der spürbarste Effekt der IPR wird bei den Auszahlungen liegen. Bisher ist die Auszahlung per Banküberweisung der langsame Teil: Ein bis drei Werktage sind bei klassischen SEPA-Überweisungen üblich, dazu kommen die internen Bearbeitungszeiten des Casinos. Mit SEPA Instant als Pflichtangebot aller Banken könnten Auszahlungen künftig innerhalb von Sekunden auf dem Konto sein – vorausgesetzt, die Casinos passen ihre Auszahlungsprozesse entsprechend an.
Ein weiterer Effekt: Die Transparenz bei Transaktionen steigt. PSD2 gibt Spielern das Recht, ihre Kontodaten und Transaktionshistorie über regulierte Schnittstellen einzusehen. Das macht es einfacher, den Überblick über Einzahlungen und Auszahlungen zu behalten – ein Vorteil, der im Kontext des LUGAS-Einzahlungslimits von 1 000 Euro pro Monat besonders relevant ist. Wer seine Transaktionen über Open-Banking-konforme Tools trackt, hat eine bessere Kontrolle über sein Spielbudget als jemand, der auf die Kontoauszüge der nächsten Woche warten muss.
Fragen zu Open Banking im Casino
Artikel
Erstellt von der Redaktion von „Blitzbank".